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Der Gipfel des Schwarz-Weiß-Denkens

Der G20-Gipfel liegt nun seit einer Woche hinter uns, die Diskussionen über das Geschehene halten aber unvermindert an. Prinzipiell ist alles gesagt worden, jeder Politiker von Rang und Namen hat sich zu Wort gemeldet und positioniert und auch die Bürgerinnen und Bürger machen aus ihren Herzen keine Mördergrube. Letzteres findet nicht in den Medien statt, sondern in den sozialen Netzwerken.

Spätestens die Aufarbeitung des G20-Gipfels durch die Menschen, die unser Land ausmachen, nämlich die Bürger, fördert das zu Tage, was schon die Diskussionen um die Flüchtlinge und Migranten oder die geäußerten Meinungen zu Rechts oder Links angedeutet haben: Im Bewusstsein der Deutschen gibt es kein Grau mehr, sondern nur noch Schwarz und Weiß!

Bei den Vorkommnissen in Hamburg ist die vorherrschende Meinung klar: Ob man die Randalierer jetzt Linksextremisten, Aktivisten, Terroristen oder Kriminelle nennt, ist unwichtig, solange man sich einig ist, dass blinde Zerstörungswut und aktiver wie auch inaktiver Widerstand gegen Polizeibeamte gleichzusetzen und aufs Schärfste zu verurteilen sind.

Die, in Relation zur breiten Masse gesehen, Handvoll Bürger, die das anders sehen, suchen aber alle Schuld an den Krawallen bei der Polizei. Diese habe grundlos Gewalt eingesetzt, diese habe die Gewaltakte der „Demonstranten“ provoziert. Man müsse sich schließlich zu Wehr setzen.

Kaum eine Stimme, die anmahnt, dass eventuell beide Standpunkte eine gewisse Schnittmenge haben könnten. Um es mal deutlicher zu formulieren: Die Krawalle von Hamburg hätte es auch gegeben, wenn die Polizei 100% passiv geblieben wäre. Dazu waren einfach zu viel Autonome in Hamburg, die nur darauf aus waren, dort Autos anzuzünden, Steine und Molotow-Cocktails zu werfen oder anderweitig ihrer Zerstörungswut freien Lauf zu lassen. Aber zu behaupten, dass die Polizei sich jederzeit und überall im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben verhalten habe, ist schlichtweg vermessen. Mittlerweile gibt es genügend Bilder und Videos, die eine gegenteilige Sichtweise untermauern. Außerdem muss man auch festhalten, dass selbst Polizeibeamte nur Menschen sind und auch da sicherlich der eine oder andere die Nerven verloren haben könnte.

Das ist aber nicht das Thema. Mir stellt sich die Frage, warum bislang nicht ein Politiker von CDU/CSU oder SPD eingeräumt hat, dass hier und da auch die Polizei über die Stränge geschlagen haben könnte. Wäre so eine Stellungnahme nicht Mainstream genug? Oder geben die Politiker vor, was Mainstream ist? Etliche Journalisten sind von der Polizei an der Ausübung ihrer Tätigkeit, teils mit Gewalt, gehindert worden. Und ich rede jetzt nicht von den 32 Journalisten, denen die Akkreditierung entzogen wurde. Hier und da findet man in den sozialen Medien einen entsprechenden Bericht, aber die großen Zeitungen oder Fernsehanstalten schweigen das tot.

Und zu allem Überfluss beschließt die neue NRW-Landesregierung aus CDU und FDP, dass die Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte wieder abgeschafft wird. Wie soll ich als Bürger zukünftig einen Polizeibeamten, der ggfs. übergriffig wird, rechtlich belangen können? Zusammen mit der Tatsache, dass die Polizei in Hamburg richterlich genehmigte Camps und Demonstrationen aufgelöst und somit das Demonstrations- und Versammlungsrecht außer Kraft gesetzt hat, wird da ein ziemlich düsteres Bild von den Grundrechten, wie sie in unserem Grundgesetz verankert sind, gezeichnet.

Aber auch diese ganzen Randalierer und Krawallinskis von Hamburg sollte sich mal überlegen, ob sie denn der Anti-G20-Bewegung nicht einen Bärendienst erweisen haben.  Tausende Menschen hatten sich in Hamburg zusammengefunden, um friedlich, aber nachdrücklich gegen den Gipfel und die Politik der beim Gipfel vertretenen Staaten zu demonstrieren. Heute kommt es einem so vor, als ob diese Demonstrationen nie stattgefunden haben, weil sich das Hauptaugenmerk der Berichtserstattung einzig und allein auf die Gewalttaten der Autonomen gerichtet hat.

Ich würde mir wünschen, dass die Menschen in unserem Land allgemein die Geschehnisse wieder differenzierter betrachten würden und sich auch anderen Sichtweisen öffnen würden. Die Meinungen sind mittlerweile bei jedem Thema, egal, um was es dabei geht, von vornherein festgelegt und vor allem festgefahren. Außer Verdruss und einer Erhöhung des Konfliktpotentials kommt dabei aber nichts raus. Konstruktive Diskussionen sind so von vornherein im Keim erstickt.

Wir waren einmal besser und ich würde mir wünschen, wenn wir da wieder hin finden würden, allein mir fehlt momentan jegliche Idee, wie das erreicht werden könnte.

Published inZeitgeschehen