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Heiligt der Zweck wirklich alle Mittel?

Teile des Kreis Düren sind in den letzten Wochen relativ häufig in den Schlagzeilen. Es geht um die Rodung des Hambacher Forsts. Umweltschützer auf der einen Seite, Rheinbraun und die Sicherheitsorgane unseres Staates auf der anderen Seite.

Immer wieder hören und sehen wir von gewalttätigen Übergriffen auf Mitarbeiter der Rheinbraun oder auf Polizisten. Gewalt darf doch eigentlich nie eine Lösung sein, oder? Ich persönlich verabscheue Gewalt, nicht nur, weil sie rechtswidrig ist, sondern weil sie in den wenigsten Fällen irgendetwas zur Lösung von Problemen beigetragen hat. Einen Zweck erfüllt die Gewalt dann aber doch: Sie generiert Aufmerksamkeit und lenkt das Interesse der Menschen auf das eigentliche Anliegen von Aktivisten.

In Barcelona waren am 11.09.2018 rund 1 Million Menschen auf den Straßen Kataloniens und haben friedlich für die Unabhängigkeit von Spanien demonstriert. In den Medien hierzulande war das bestenfalls eine Randnotiz wert. Wie hoch wäre das Interesse unserer Medien gewesen, wenn an diesem Tag keine Demo stattgefunden hätte, sondern vor der Sagrada Familia eine Bombe hochgegangen wäre? Um in Spanien zu bleiben: Hat sich seinerzeit irgendjemand bei uns hier für die Ziele der ETA interessiert? Hätten wir wirklich registriert, dass es eine baskische Unabhängigkeitsbewegung gab, wenn die ETA damals nicht einen Anschlag nach dem anderen verübt hätte?

Nochmal zurück zum Hambacher Forst. Wie hoch wäre das Medieninteresse gewesen, wenn sich dort seit Jahren einmal im Monat reine Umweltschützer getroffen hätten, um mit Waldspaziergängen gegen die Rodung zu protestieren? Erst die Aktivisten, von manchen auch Öko-Terroristen genannt, haben für mediale Aufmerksamkeit gesorgt.

Also zurück zur Ausgangsfrage: Ist der Einsatz von Gewalt also ein legitimes Mittel, um auf Missstände aufmerksam zu machen? Nein, eindeutig und ganz klar Nein! Ich würde mir aber von den Medien schon wünschen, dass man öfter und mehr von friedlichen Protesten und deren Intention berichtet, auch wenn sich solche Berichte nicht unmittelbar auf die Auflage oder Einschaltquote auswirken. Oft genug haben diese Proteste eine Message, die sich nicht unbedingt jedem erschließt, wenn er sich nicht damit auseinandergesetzt hat.

Im Hambacher Forst ist das eben die Preisgabe eines riesigen, ökologisch wichtigen, Baumbestands als Opfer für die Profitgier eines Unternehmens. Ja, es hängen auch Arbeitsplätze dran, keine Frage. Aber die Umweltschützer warnen nicht erst seit dem Hambacher Forst vor der Endlichkeit der Ressourcen. Wenn die Energieunternehmen vor 25 Jahren ihre Hausaufgaben gemacht hätten, könnte man allen Beschäftigten der Rheinbraun auch ohne Rodung des Hambacher Forstes eine Arbeitsstelle bieten.

Published inZeitgeschehen