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Unter Geiern!

Nein, dies wird kein Essay über ein Karl May – Buch. Wobei mir beim vorliegenden Thema schon so einige Analogien zum Wilden Westen einfallen würden.

Ich hatte eine schöne Einleitung mit ein paar Wortspielen auf der Pfanne, aber was soll’s: Es geht um den Fall, bzw. den Nicht-Fall respektive Beförderung des Herrn Maaßen. Offensichtlich wurde da ein sehr unpopulärer Kompromiss gefunden. Das gefällt uns Bürgern nicht, vollkommen klar. In solchen und ähnlichen Fällen sucht man schnell jemanden, auf dem man seinen Frust abladen kann. Wie allgemein üblich wird sorgfältig recherchiert und analysiert (kleiner Scherz) und präsentiert dann den Schuldigen: Die SPD! Es muss die SPD sein, weil die nämlich grundsätzlich immer an allem schuld ist.

Leute, echt jetzt? Klappt’s noch? Haben wir in unserer Regierungskoalition eine Krise? Ja, auf jeden Fall, und zwar eine gewaltige! Diese Krise hat einen Namen und der lautet weder Andrea Nahles noch Olaf Scholz oder Heiko Maas, sondern einzig und allein Horst Seehofer! Es ist müßig, die Fehltritte des Innenministers seit seiner Amtsübernahme aufzulisten. Sein neuester Coup ist halt das Wegbefördern des Hans-Georg Maaßen.

Natürlich kotzt uns das als Bürger an. Wir bekommen in unserem Berufsleben bei derartigen Kapriolen bestenfalls einen massiven Einlauf verpasst und dieser Verfassungsschutz-Kasper wird befördert. Aber warum soll da jetzt die SPD für bluten? Die SPD hat alles dafür getan, dass Maaßen als Chef des Verfassungsschutzes abgelöst wird. Was haben wir denn gedacht, was da passiert? Wird Maaßen geteert und gefedert aus der Stadt gejagt? Oder dass Maaßen unter Verlust sämtlicher Pensionsansprüche vom Hof gejagt wird?

Die SPD wollte erreichen, dass Maaßen als Chef des Verfassungsschutzes keinen weiteren Schaden anrichten kann und das hat sie erreicht. Er ist zukünftig beamteter Staatssekretär und kann sich da in den Disziplinen Knicken, Lochen und Abheften üben. Der Spaß kostet uns Steuerzahler ca. 25.000 EUR pro Jahr zusätzlich. Wer das ungerecht findet, kann gerne unseren Innenminister anschreiben.

Aber nein, die SPD hat das ja versaubeutelt. Die SPD hätte mit der Faust auf den Tisch hauen, dem Heimathorst den Stinkefinger in die Nase rammen und mit wehenden Rockschößen die Koalition verlassen müssen. Und dann hätten wir Neuwahlen und ein noch beschisseneres Wahlergebnis mit noch schwierigeren Mehrheitsverhältnissen bekommen. Und jeder hätte sich belämmert angeguckt und einen Schuldigen gesucht und – Trommelwirbel die SPD als Verursacherin der Staatskrise ausgemacht.

Ich bin beileibe kein Freund der Großen Koalition und schon gar nicht der Vorsitzende des Andrea-Nahles-Fanclubs. Aber wenn sich in der ganzen Regierungskrise in den letzten Monaten rund ums Seehoferle eine Partei ruhig und besonnen verhalten hat, dann war es die SPD.

Das sollte man vielleicht auch parteiintern mal honorieren oder zumindest wahrnehmen. Aber hey, die SPD wäre nicht die SPD, wenn sie sich nicht auch in einer solch komfortablen Position selber zerfleischen würde.

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