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Warum die Energieindustrie versagt hat

Seit Beginn der 80er Jahre machen verschiedenste Umweltorganisationen, nicht zuletzt unterstützt durch die Grünen, auf Umweltschädigungen aufmerksam. Seit etlichen Jahren wird der Klimawandel diskutiert und ist, wenn man denn seine Hirnwindungen einigermaßen vernünftig nutzt, nicht mehr wegzudiskutieren.

Und es ist ja nicht so, dass wir das alle nicht erkannt hätten. Einer der größten Faktoren bei der Luftverschmutzung und der Emission von Treibhausgasen sind Energiegewinnungsanlagen. Drei der größten „Dreckschleudern“ werden vom RWE in unmittelbarer Nachbarschaft (Niederaußem, Neurath und Weisweiler) betrieben. Und alle verfeuern Braunkohle zur Energiegewinnung.

Klar, keiner von uns möchte energetisch ins 19. Jahrhunderte zurück. Deutschland und Europa haben halt durch die Industrialisierung einen wahnsinnigen Energieverbrauch. Klar ist aber auch, dass es nicht in unserem Interesse sein kann, wenn die dreckigste Art der Energiegewinnung als die Lösung bei aktuellen Energieproblemen angepriesen werden kann.

Wie gesagt, wir wissen nicht erst seit dem Hambacher Wald, dass wir den Ausstieg aus der Braunkohle besser gestern als heute brauchen. Ich frage mich, warum die Energieunternehmen nicht seit der Bekanntmachung der ersten ernstzunehmenden Studien alle verfügbaren Ressourcen darangesetzt haben, alternative Energien zu entwickeln. Diese Unternehmen verkaufen Strom nicht aus Gutmütigkeit, sondern weil es ein äußerst lukratives Geschäft ist. Da sollte man doch erwarten können, dass man bei RWE, Vattenfall, eON usw. ein wenig langfristiger denkt.

Stattdessen geht man den einfachsten Weg, jagt eine Heerschar von Lobbyisten durch Berliner Abgeordnetenbüros, natürlich nicht ohne das Totschlagargument „Denkt an die Arbeitsplätze“ und zählt in der Zwischenzeit munter sein Geld.

Ja, die Grünen wollten den Braunkohleausstieg schnellstmöglich und sogar die dreckigsten Kraftwerke bis 2020 abschalten. Das ist ambitioniert, keine Frage. Hier in der Region hängen da wahrscheinlich insgesamt 100.000 Arbeitsplätze dran. Hätten die Energieunternehmen aber zur rechten Zeit (vor ca. 30 Jahren) die rechten Schlüsse gezogen, würde sich heute dieses Problem gar nicht stellen.

Die Proteste im Hambacher Wald richten sich einerseits gegen die Braunkohlenutzung und andererseits gegen die Abholzung des Waldes. Sicher, der Wald wird irgendwann wieder aufgeforstet. Bis diese Aufforstung aber denselben ökologischen Wert hat wie der jetzt bestehende Wald, vergehen wohl ca. 50 Jahre. Und die Hälfte dieser Zeitspanne blasen wir weiter Unmassen an Treibhausgasen in die Atmosphäre.

Viele Menschen in der Region regen sich wegen der Proteste auf. Ich rege mich auch darüber auf. Ich rege mich auf, weil diese Proteste überhaupt notwendig sind. Diese Menschen werden belächelt oder angefeindet, dabei sollten wir ihnen dankbar sein, dass sie sich stellvertretend für uns dahinstellen und auf die Gier und fehlende Einsicht der Energieunternehmen aufmerksam machen.

Nachtrag: Natürlich sind und waren die Unternehmen nicht allein in der Pflicht. Auch die Politik hat es versäumt, die Weichen rechtzeitig zu stellen!

Published inZeitgeschehen