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Wie Pyrrhus im Hambacher Wald einen Sieg einfuhr

Wer genau hingehört hat, konnte sie am Freitagmittag knallen hören, die Sektkorken. Ich muss zugeben, ein dezentes „Yes“ konnte auch ich mir nicht verkneifen, als ich von der Entscheidung des OVG Münster gehört habe, die Rodung im Hambacher Wald auszusetzen. Bitte nicht falsch verstehen: Ich habe nichts explizit gegen RWE, ich bin über die Stadtwerke Düren ein zufriedener Kunde. Aber diese ganze Angelegenheit rund um den Hambacher Wald ist für mich absolut symptomatisch für den Zustand unseres Landes.

Vordergründig steht für mich die Causa RWE vs. Hambacher Wald exemplarisch für viele politischen und unternehmenspolitischen Fehlentscheidungen der letzten 30 Jahre. Sowohl RWE als auch alle anderen Energieunternehmen und an vorderster Front die Politik haben es versäumt, rechtzeitig durch Forschung und Innovation die Weichen in eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe zu stellen. Bevor jetzt jemand „Aber die Windräder machen auch die Umwelt kaputt“ rumnölt: Bei intensiver Forschung hätte man sicher effektive, umweltverträglich Energiegewinnungsmethoden gefunden. Eventuell hätte man die Solarenergiegewinnung optimiert oder Wasserkraftwerke verbessert oder, oder, oder. Ich bin mir absolut sicher, dass die Energieunternehmen einen sofort ausführbaren Plan B in der Tasche hätten, wenn gesichert wäre, dass die fossilen Ressourcen in 10 Jahren aufgebraucht wären.

Also doch die Schampus-Flasche rumgehen lassen? Schließlich wurden einem mächtigen Konzern und der Politik in einem einzigen Gerichtsurteil eine lange Nase gedreht! Da wäre ich vorsichtig. Die Begleitumstände der Aktion „Hambi bleibt“ waren doch mitunter äußerst fragwürdig.

Hier sind erst einmal die Grünen zu nennen. Wie die Ritter auf ihren weißen Pferden kamen sie daher, um die Jungfrau aus dem Turm zu befreien. Dass sie selbst erheblichen Anteil daran hatten, dass die Jungfrau überhaupt befreit werden muss, verschweigen sie beschämt.

Auch die gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Polizei und RWE-Mitarbeiter werfen kein gutes Licht auf die Proteste gegen die Rodung. Immer wieder lenken solche idiotischen und gefährlichen Aktionen von eigentlich hehren Zielen der Demos ab und erweisen diesen einen Bärendienst.

Und ja, ich bin – trotz aller Vorbehalte gegen die Rodung des Hambacher Waldes – der Meinung, dass Unternehmen Planungssicherheit brauchen. Das gilt für den Bäcker an der Ecke in gleichem Maße wie für einen Energiekonzern wie RWE. Politik und Justiz tun sich keinen Gefallen damit, wenn derartige Entscheidungen von der Tagesform oder der gerade herrschenden Mondphase abhängig sind. So wird es im vorliegenden Fall nicht sein, aber das ist es, was letztendlich beim Bürger ankommt.

Es ist absolut nachvollziehbar, dass viele der RWE-Mitarbeiter und auch der Mitarbeiter in der Zulieferindustrie jetzt Angst um ihre Arbeitsplätze haben. Hier warne ich aber eindrücklich davor, diese Angst und daraus resultierende Wut auf die Demonstranten zu richten. Diese sind lediglich (einige Wenige mit sehr fragwürdigen Mitteln) für eine Sache aufgestanden, an die sie glauben und die ihnen wichtig ist.

Die Fehler wurden nicht bei den Demonstranten gemacht, sondern, wie eingangs erwähnt, bei der Politik und den Konzernen. Aber auch wenn die Umweltfreunde momentan erst einmal gewonnen haben, besteht aus vielerlei Gründen kein Anlass zu Freude! Belästigte Anwohner und zertrampelte Felder sind da nur die Spitze des Eisberges. Die Tatsache, dass nach der Entscheidung des OVG Münsters schon wieder neue Baumhäuser und Barrikaden gebaut werden, lässt den Schluss zu, dass es manch einem der „Umweltaktivisten“ eher um Krawall denn um die Umwelt geht.

Published inZeitgeschehen