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Sinnvoller Protest oder einfaches Schulschwänzen?

Hand aufs Herz, Leute! Welchem Erwachsenen gefällt es schon, wenn Kinder und Jugendliche uns auf Fehler hinweisen? Klar, die Kids von heute sind selbstbewusster als wir damals und begehren auch schon mal gegen die Obrigkeit auf. Aber wenn wir mal ehrlich sind, waren die gelegentlichen Proteste der Generation Y doch eher süß, naiv und ein wenig putzig. Wenn sie denn fertig aufgemuckt hatten, bekamen sie einen liebevollen Klaps nebst „Und jetzt geh wieder spielen“ und fertig war die Gartenlaube.

Und dann kommt eine 16-jährige Schwedin daher, geht freitags nicht zur Schule und protestiert somit gegen unseren Umgang mit der Umwelt. Das wäre ja auch noch ganz niedlich, wenn sich jetzt nicht auf einmal tausende Schüler in ganz Europa anschickten, es ihr gleichzutun. Tendenz eher steigend!

„Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis“, meint FDP-Chef Lindner.

Profis, lieber Herr Lindner, würden erkennen, dass die Fridays-for-Future-Demonstranten von heute die Wähler von morgen sind. Profis würden das Gespräch mit den Jugendlichen suchen, um vielleicht auch die globalen Zusammenhänge zu erklären. Profis würden in solchen Gesprächen erfahren, dass es eben diese globalen Zusammenhänge sind, die den jugendlichen Demonstranten Angst machen.

Was aber machen unsere Profis tatsächlich? Sie prangern das Schulschwänzen an! Ich will überhaupt nicht behaupten, dass da auch ein paar ganz gewitzte Kiddies am Start sind, die Fridays for Future als Grund vorschieben und ein paar unterrichtsfreie Stunden abstauben wollen. Die meisten jedoch haben tatsächlich ein Anliegen und auch etwas zu sagen. Und da sind wir wieder bei meinem Eingangssatz: Wer möchte schon von Jugendlichen den Spiegel vorgehalten bekommen?

Anstatt die Schüler ernst zu nehmen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, wird in typisch deutscher Manier auf die Schulpflicht gepocht. Sie können ja demonstrieren, aber bitte doch außerhalb der Schulzeit! Und dann nicht so viele Schüler auf einmal! Und bitte auch nicht den geregelten Tagesablauf der Erwachsenen stören!

Wir hören immer wieder, wie politisch uninteressiert unsere Jugend wäre. Jetzt engagieren sie sich mal politisch und dann passt es vielen auch wieder nicht. Ich bin nur ein Freizeitpolitiker und weit davon entfernt zu ahnen, was ein Profi denkt oder macht. Als Nichtprofi kann ich den Profis wie Herrn Lindner aber nur den Rat erteilen, sich mal mit den Jugendlichen zu unterhalten. Die Profis wären erstaunt, was diese alles zu sagen hätten.

Beitragsbild: Fridays for Future

Published inPolitikZeitgeschehen